Christian Bazant-Hegemark / Hollerei Galerie, Wien
Considering the Circular Topology of Clouds
18. Juli - 1. September 2017

Christian Bazant-Hegemark (* 1978) zeigt den momentan Stand seiner Auseinandersetzung mit Malerei und Grafik. Neben der Beschäftigung mit traditioneller Ölmalerei und Zeichnung integriert er nun tiefgreifendere mediale Transformationsprozesse in seine Werkpraxis. Damit untersucht er die Wirkweise traditioneller Malereithemen, wenn diese visuelle Referenzierungen in die gegenwärtigen Medienwelt vornehmen, und deren formale Chiffren appropriieren.

Aus einer Unzufriedenheit über die Möglichkeiten digitaler Bildbearbeitung hat Bazant-Hegemark dazu über die letzten zwei Jahre eine Bildabstraktionssoftware entwickelt (diese erlaubt unübliche Fragmentarisierungen und Transformierungen, und kann unter anderem zweidimensionalen Bildern eine virtuelle dritte Dimension errechnen). Die Resultate dieser Software stellen Teil seines heutigen Bildfindungsprozess dar, und werden in Folge den Bearbeitungsmöglichkeiten traditioneller Bildbearbeitungsprogrammen ausgesetzt. Neben dieser algorithmischen Bildmodifikation hat Bazant-Hegemark zudem begonnen, Bildmomente per Hand zu digitalisieren. Er “pixelt” Bilder am Computer nach, wodurch die Videospielästhetik der 1990er-Jahre referenziert wird. Die Resultate behalten dabei die Farbpaletten ihrer Vorlagen, wodurch die zugrundeliegenden Bildreferenzen einen surrealen Spin bekommen.

Kern der Ausstellung sind jene Werke, die ikonisches Bildmaterial (oftmals durch Awards legitimisierte Abbildungen von Leid) einen Parcours solcher Transformationen unterlaufen lassen: handgepixelte fotojournalistische Quellen werden per Software algorithmisch abstrahiert, und dann in branchenüblicher Bildsoftware weiterverarbeitet - um, auf Gewebe gedruckt, einem traditionellen Malprozess ausgesetzt zu werden.

Neben dem Abtasten eines zeitgenössischen, ausgeweiteten Malereibegriffes geht es Bazant-Hegemark um ein Verständnis der Ausdrucks- und Abbildungsfähigkeit visueller Medien. Der heutigen, postfaktischen Medienwelt ist der Topos der Authentizität abhanden gekommen - er wurde gegen die Selbstreferentialität journalistischer Netzwerke ausgewechselt. Bilder sind dabei nur noch als Oberfläche relevant - als Spektakel und Ware. Bezüglich der Richtigkeit ihrer Inhalte gibt es keine Verlässlichkeit mehr: Realität und Fiktion haben in der Medienwelt ihre Distanz aufgegeben. Damit ist zeitgenössische mimetische Malerei in einer unbekannten Situation: Sie kann kreieren, simulieren und appropriieren, aber wahre Abbildungsauthentiziät nur noch imaginieren.

http://hollerei-galerie.at/


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